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Fotoausrüstung für (Natur-) Fotografen

Ursprünglich wollte ich in dieser Kategorie nur beschreiben, mit welchen Equipment die Fotos auf dieser Website entstehen. Das findet man nun ganz unten.

Ich nehme das Stichwort jedoch außerdem zum Anlass und beantworte zunächst 4 Fragen, die mir regelmäßig zum Thema Fotoequipment gestelllt werden.


Dieser Artikel richtet sich weniger an Foto-Cracks, sondern mehr an Technik-Interessierte, Einsteiger oder Aufsteiger der Fotografie.

 

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1. Ich schwanke zwischen Nikon und Canon - was ist denn jetzt besser?

Keine von Beiden. Jede dieser großen Marken hat ihre Stärken und Schwächen. Ich persönlich habe in den ersten 4 Jahren (2008-2011) mit Canon und seit 2012 mit Nikon fotografiert und würde beide Marken jederzeit weiterempfehlen.

Aktuell wünschte ich mir das ein oder andere Objektiv der Canon-Serie, etwa ein MP-E65; hingegen bin ich regelmäßig happy über den Dynamikumfang der Kamerasensoren bei Nikon (Sony) und empfinde das als Vorteil. Solche Dinge ändern sich aber sehr schnell und mir persönlich ist noch kein Motiv über den Weg gelaufen, das an der Kameramarke gescheitert ist ;-)

Steht man wirklich vor der Entscheidung, würde ich die Wahl daher von der Haptik abhängig machen und mal eine Canon- sowie Nikonkamera in die Hand nehmen, ein paar Testaufnahmen machen und dann entscheiden.

 

 

2. Wieviel € muss ich als Einsteiger für ein gutes Foto-System ausgeben?

Gegenfrage: Was kosten ein Auto und ein Ehering?

Da ist alles möglich und das muss jeder für sich entscheiden. Ich kann allerdings die Empfehlung aussprechen, hier unbedingt vor Kauf bei einem Fachhändler zu testen. Wenn möglich, dann einfach mal ein paar Motive vor dem Laden mit der eigenen Speicherkarte fotografieren, und anschließend nochmal diese Motive mit der bisherigen Kamera fotografieren. Beides daheim an einem Monitor vergleichen (nicht auf dem kleinen Display vor Ort). Dann entscheidet jeder für sich, ob einem der Unterschied in der Bildqualität die Investition wert ist.

Das klingt banal, aber der Hintergrund ist einfach: meiner Erfahrung nach ist z.B. eine gute Bridge- oder Kompaktkamera immer noch besser, als die - häufig als Einstieg ins Profisegment angepriesenen - Spiegelreflexkameras. Letztere kann aber mitunter deutlich teurer sein.

Bitte bei der Frage nach dem Preis für Einstiegsmodelle von Spiegelreflexkameras nicht den Fehler machen und sich von günstigen Angeboten der großen Elektronikhändler für einzelne Kameras beeindrucken lassen. Bei System- und Spiegelreflexkameras ist meiner Erfahrung nach das Objektiv der entscheidende Faktor und nicht die Kamera. Denn die Kameras derselben Generation unterscheiden sich vielleicht noch ein wenig in der Größe der Sensoren („Crop“- oder Vollformatkameras), doch innerhalb einer „Familie“ sind die Unterschiede in Bezug auf die reine Bildqualität meist nur marginal. Bei den Objektiven ist das anders. Hier existieren große Unterschiede, nicht nur in der Bildqualität, sondern auch in der Bildwirkung bzw. Schärfentiefe.

 

 

3. Welches Zubehör ist empfehlenswert?

Ganz klar: ein gutes Stativ inklusive Stativkopf. Hier würde ich nicht am falschen Ende sparen. Den Fehler habe ich zunächst selbst begangen. Bitte merkt Euch den folgenden Satz: das beste Stativ ist eines, das man auch dabei hat.

Es nützt nichts, wenn ich mir ein Stativ kaufe, das zwar in irgendwelchen Tests gut abgeschnitten hat, jedoch auf die Dauer zu schwer und zu sperrig ist. Für etwas mehr Geld gibt es auch sehr leichte und kompakte Stative, die man immer mitnehmen kann und die einen super Job machen.

Außerdem machen Stative viele Aufnahmen überhaupt erst möglich. In der Tierfotografie beispielsweise kann ich große Teleobjektive ohne ein passendes Stativ gar nicht mehr adäquat ruhig halten. Aber auch bei der Landschaftsfotografie ermöglichen erst Stative die dauerhafte Nutzung der niedrigsten "Iso-Empfindlichkeit" und somit besten Bildqualität. Ebenso verwacklungsfreie Umsetzungen von "High-Iso-Langzeitbelichtungen" wären sonst nicht möglich. Siehe etwa dieses Sternenbild von der Insel La Palma aus:

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4. Welches Fotosystem ist empfehlenswert - benötige ich eine
"Spiegelreflexkamera", wenn ich bessere Bilder machen möchte?

NEIN.

Das war doch leichter als gedacht ;-) Und jetzt noch etwas detaillierter: für die nähere Begründung werde ich es mal ein wenig übertreiben und fange bei den Alternativen ganz unten an, bei der einfachsten Variante, einer Smartphone-Kamera. Die Kameras guter Smartphones der neuesten Generation bieten heute eine wirklich gute Bildqualität. In den meisten Alltags- und Urlaubssituationen beispielsweise benötigt man zum Knipsen weder Spiegelreflexkameras noch „Systemkameras“ oder andere teure Fotosysteme. Als Beispiel ein Bild aus meinem letzten Urlaub:

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Wenn ich dieses Bild mit einem aktuellen iPhone 7 gemacht und 2 Minuten in Bildbearbeitung investiert hätte, würde man so gut wie keinen Unterschied zur vorliegenden Version sehen, die mit einer Profi-Spiegelreflexkamera entstanden ist. Zumindest in dieser kleinen Größe, bei Betrachtung am Monitor.

Wo trennt sich nun die Spreu vom Weizen?

Je nachdem, was ich fotografiere, und wie ich das ausführe, habe ich nur sehr wenig Licht zur Verfügung. Interessante Lichtbedingungen, egal ob bei der Fotografie von Natur oder Menschen oder Architektur, bergen häufig dieses Problem. Nehmen wir z.B. diese Situation:

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Es war ohnehin recht dunkel. Das bedeutet, dass man eine lange Belichtungszeit benötigt und ein Bild schnell verwackelt. Hier muss man schon mal mit einem Stativ arbeiten. Darüber hinaus wollte ich die Belichtungszeit noch zusätzlich verlängern, damit das die Eisbrocken umkreisende Wasser eine malerische Wirkung erhält. Ich habe also durch einen Filter vor meiner Kameralinse das Bild sogar noch zusätzlich verdunkelt.

Puh, schon in dieser Situation kommt ein Smartphone langsam an seine Grenzen. Ganz abgesehen von der mangelnden Kompatibilität zu den benötigten Filtersystemen, einem geringen Dynamikumfang, höherem Bildrauschen etc. Dieses Bild wäre technisch mit einem Smartphone nur sehr schwer umsetzbar.

Nun gibt es natürlich zwischen den beiden Extremen, dem Smartphone auf der einen, einer Spiegelreflexkamera auf der anderen Seite, sehr viele gute Zwischenlösungen. Von Kompakt- und Bridgekameras bis hin zu „Systemkameras“. Mit all diesen Geräten kann ich die erforderlichen manuellen Einstellungen wesentlich besser bewältigen.  

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Doch unter diesen Systemen haben wiederum nur „Systemkameras“ den Vorteil, dass man sie wie eine Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven benutzen kann. Das bietet die Möglichkeit, das Objektiv und den Bildstil exakt auf die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Wenn man im Urlaub z.B. in der einen Sekunde die weite Landschaft und wenige Minuten später ein kleines Tier fotografieren möchte, hat man einfach ohne spezialisierte Objektive nie die Möglichkeit das Optimum an Bildqualität heraus zu holen. In beiden Fällen eine kompromisslose Bildqualität für große Ausbelichtungen abzuliefern, das können auch teure Bridgekameras mit „Weltrekordzooms“ noch nicht bieten, auch wenn die Hersteller es noch so bewerben. (Ich gebe hierbei zu bedenken, dass man kleine Unschärfen und andere Qualitätsmängel in Fotos häufig in den kleinen Größen für die Darstellung im Internet nicht sieht, doch eine Ausbelichtung auf Postergröße ist da wenig fehler-verzeihend.)

Will man also spürbar die Bildqualität nach oben treiben, kann ich persönlich Systemkameras und Spiegelreflexkameras empfehlen. Mittlerweile gibt es Systemkameras, in denen die allerbesten Sensoren verbaut sind. Ambitionierte Fotografen nutzen daher inzwischen beide Systeme nach persönlicher Präferenz. Das oben gezeigte Bild hätte ich ohne Probleme damit aufnehmen können, z.B. mit der aktuellen "Sony A7 II", deren Sensor über jeden Zweifel erhaben ist.

Warum benutzen viele Fotografen, mich eingeschlossen, trotzdem noch die schweren, großen und durch die Spiegelmechanik anfälligen Spiegelreflexsysteme?

Auch hier ist wieder entscheidend, was ich wie fotografiere. Entscheidend hierbei ist vor allem die Schnelligkeit des Autofokus: hier haben Spiegelreflexkameras noch einen spürbaren Vorteil. Nicht, dass Systemkameras diesbzgl. schlecht sind, doch Spiegelreflexsysteme können das noch ein wenig besser. Zumindest mit Stand Dezember 2016. Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere Gründe, die jedoch zu sehr ins Detail gehen.

Als Beispiel möchte ich meine Serie der brütenden Bachstelzen aus dem Jahr 2013 anführen: selbst mit dem besten Autofokus einer guten Spiegelreflexkamera hatte ich angesichts der Schnelligkeit dieser Tiere noch einen enormen Ausschuss. Man trifft vielleicht 1 von mehreren Hundert Bildern so gut wie in der folgenden Szene zu sehen. Eine spürbar schlechtere Autofokus-Performance würde die Sache ganz zunichte machen.

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Ein Schlusswort:

Eine Foto-Ausrüstung besteht natürlich aus weit mehr wichtigen und unwichtigen Einzelteilen. Einen Eindruck davon vermittelt das Bild ganz oben, wo ich abgebildet habe, mit welchem Equipment ich aktuell arbeite. Wobei ich - um Himmels Willen - nicht alles mitnehme, was dort zu sehen ist. Meist geben die ausgewählte Location oder eine genaue Bildidee im Kopf bereits vor, welche Objektive etc. man getrost zu Hause bzw. auf dem Hotelzimmer lassen kann. Bei der Makro- oder Telefotografie kommt es auch schon mal vor, dass ich mit einem einzigen Objektiv losziehe.

Wenn man nicht gerade den Drang hat, im Urlaub um 5 Uhr den Wecker zu stellen, um bereits zur "blauen Stunde" zu fotografieren oder nachts Vulkane zu besteigen, um die Milchstraße einzufangen etc.,, dann sind Kompakt- und Bridgekameras völlig ausreichend und bieten eine tolle Flexibilität wegen der großen Zoomfaktoren.

Benötigt man jedoch extrem kurze, lange oder ganz spezielle Brennweiten, möchte stets bei sehr wenig Licht fotografieren und wünscht eine Bildqualität, bei der man selbst bei Ansicht auf einem 1m breiten Ausdruck noch mit der Zunge schnalzt, dann macht es Sinn, wie oben beschrieben upzugraden.

Ich hoffe, dem ein oder anderen hilft diese Einschätzung zum Einstieg oder Aufstieg in Sachen Fotografie!

 

P.S., meine Ausrüstung:

Da ich in Sachen Technik vieles ausprobiere, ändert sich meine Ausrüstung regelmäßig....aktuell sieht es wie folgt aus:

kameraseitig fotografiere ich nun schon seit Anfang 2012 mit Vollformatkameras und seit Mitte 2014 mit der wunderbaren Nikon d810, die ich sehr schätze.
Kombiniert mit einem L-Winkel, dem Markins LN-810.

Objektivseitig habe ich mich Anfang 2015, nach Neuausrichtung meines fotografischen Schwerpunktes, von meiner schweren Tele-Ausrüstung getrennt
(Nikon 600 VR, Sachtler FSB8, Gitzo 5542LS etc.) und bin nun wie folgt aufgestellt:

 

Irix 15mm f/2.4

Nikon 20mm f/1.8 G

Nikon 28mm f/1.8 G

Nikon 35 mm f/1.8 G

Nikon 50mm  f/1.8 G

Nikon 85mm  f/1.8 G

Nikon 70-200mm  f/4 G

Sigma 150-600mm Sports

Sigma 150mm f/2.8 Makro (wahlweise mit einer Raynox DCR 5320pro)

Stative nutze ich aktuell zwei. Allen voran das Gitzo 3533LS mit einem Markins Q20i samt Panoramaplatte QR-62P.
Außerdem, für längere Erkundungstouren, hin und wieder das kleinere Gitzo GT1545T mit dem GH1382TQD-Kopf.
Vor kurzem habe ich mir noch für den extremen Makro-Bereich einen Feineinstellschlitten zugelegt, den Kirk FR-2.

Meine Filter stammen von verschiedenen Firmen:
- Haltersystem von LEE (inklusive Frontholderring für Polfilter)
- Polfilter von LEE (Landscape Polariser 105mm)
- Graufilter von Lensinghouse (ND8 und ND32 in 100x150mm) und von Haida (ND 3.0 in 100x150mm)
- Grauverlauffilter von Lensinghouse (ND-G in 0,6soft, 0,6hard, 0,9soft, 0,9hard und 1,2soft, jeweils 100x150mm)

Als Rucksack für Wanderungen bin ich sehr zufrieden mit dem Modulsystem von F-Stop und nutze zur Zeit den
F-Stop Sukha mit der XL-Camera Unit und für kleinere Touren den
F-Stop Ajna mit der L-Camera Unit.

Und zu guter Letzt, versichert ist das Ganze bei der Aktivas Fotoversicherung (über die Alte Leipziger).
Ich hatte leider schon 2x einen größeren Schadensfall und kann aus dieser Erfahrung heraus den
Anbieter sehr empfehlen.